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Warum ist das Aufhören so schwer?

  • Warum schaffen Sie es nicht, vom Rauchen wegzukommen?
  • Warum setzen Sie sich der Gesundheitsgefährdung durch die vielen im Tabakrauch enthaltenen Abbrandprodukte aus (mehrere tausend Giftstoffe, davon etwa 50 Krebs erzeugend und erbgutverändernd)?

Antwort: Es liegt am Nikotin, dem eigentlichen Suchtstoff in der Zigarette.
Kein Mensch käme auf die Idee, Pflanzen ohne Suchtstoff zu trocknen, zu häckseln und zu rauchen.

Nikotin wird bei der Verbrennung als Gas freigesetzt und gelangt beim Einatmen über die Lunge ins Blut und den Körperkreislauf. Wird Tabak gekaut oder geschnupft, gelangt das Nikotin über die Schleimhäute in Mund und Nase in den Körperkreislauf.

Mit einer Zigarette nimmt ein Raucher etwa 1 mg Nikotin auf. Dieses erreicht innerhalb von 7 Sekunden das Gehirn und dockt an so genannten Rezeptoren an. Die darauf hin ausgesandten Botenstoffe, wie Serotonin, Noradrenalin, Endorphine und Dopamin sind für all die Effekte verantwortlich, die Raucher so schätzen.

  • Noradrenalin erhöht die Aufmerksamkeit und Konzentration,
  • Serotonin erzeugt ein wohliges Gefühl und Zufriedenheit und
  • Dopamin ist das „Zentralhormon des Nikotin-Flashs“, wie der Fokus schrieb. Es gilt als das Glückshormon und spielt die erste Geige im Orchester des körpereigenen Belohnungssystems.

Natürlich werden all diese Hormone auch bei anderen Gelegenheiten erzeugt, doch Raucher verbinden sie zwangsläufig mit dem Tabakkonsum. Das Glücksgefühl möchten sie natürlich auch nicht missen und greifen so zwangsläufig bei nächster Gelegenheit wieder zur Zigarette.

Der Focus schrieb: „Eine Zigarette beglückt den Raucher ähnlich wie tolle Musik, ein inniger Kuss oder leckere Schokolade. Jedes Inhalieren lässt ihn einmal mehr auskosten, was Rauchen für ein herrlicher Zeitvertreib ist.“

Raucher entwickeln ein nahezu intimes Verhältnis zur Zigarette.

Genau hierdurch entstehen die Mythen ums Rauchen und die Ausreden der Raucher.

    • Ich bin gesund und halte das aus.
      • Denkbar, aber kann das Prinzip Hoffnung das einzige Lebensmotto sein?
    • Ich rauche nur wenig, nur leichte Zigaretten.
      • Irrtum, es gibt keine leichten Zigaretten. Es gibt nur Zigaretten, die beim maschinellen Test weniger Nikotin abgeben. Wie viel Nikotin tatsächlich aufgenommen wird, hängt nicht vom Test sondern vom individuellen Rauchverhalten ab. Die Abbrandprodukte sind dieselben, „leichte“ Zigaretten verfügen nur über weniger „Gewürzmittel“ (Geschmacksverstärker). Zigaretten sind heute kein Naturprodukt mehr, sondern ein Designerprodukt.
    • In meinem Bekanntenkreis wird überwiegend geraucht.
      • Möglich, doch es raucht nur etwa ein Drittel der Bevölkerung, zwei Drittel sind Nichtraucher.
    • Wenn ich wollte, könnte ich jeden Tag aufhören.
      • Großer Irrtum, Die Erfahrung zeigt, dass meist der Suchtstoff stärker als der Wille ist.
    • Eine nahe stehende Person hat zeitlebens geraucht und ist gerade 85 Jahre alt geworden.
      • Richtig, Heesters ist 108 geworden und rauchte fast immer. Kein Mensch behauptet, Rauchen führt immer zu Krebs oder vorzeitigem Tod.
    • Ich kannte jemanden, der früh nach einem Herzinfarkt gestorben, obwohl er nicht rauchte.
      • Natürlich, für Krankheiten gibt es auch andere Ursachen.
      • Wenn Sie ehrlich sind, werden Sie schnell gegenteilige Beispiele finden.

Ab einer Dosis von etwa 40 – 60 mg ist das Nervengift Nikotin für Erwachsene tödlich. Bei Kindern liegt die tödliche Dosis deutlich darunter.

Die Leber baut Nikotin relativ schnell ab und so lässt auch seine Wirkung schnell nach. Folge: Das Glücksgefühl schwindet, die Stimmung rutscht in den Keller. Die Nikotin-Halbwertzeit liegt bei starken Rauchern bei unter einer halben Stunde und bei Wenigrauchern bei mehr als zwei Stunden. Hierdurch bestimmt sich der Rhythmus der Nikotinabhängigkeit.

Neben dem Nikotin existieren weitere Abhängigkeiten. Der Tabakrauch enthält mehrere tausend Giftstoffe – davon mehr als 50 Krebs erzeugende und erbgutverändernde Stoffe – die den Körper von Rauchern und in einem geringeren Umfang auch von Nichtrauchern vergiften und massive Gesundheitsstörungen verursachen. Der menschliche Organismus reagiert hierauf mit einer Änderung der Körperfunktionen und des Stoffwechsels. Er passt sich sozusagen dem Vergiftungsniveau an.

Regelmäßige Raucher verbinden das Rauchen mit Alltagsereignissen:

    • Stress: Zeitdruck/starke Arbeitsbelastung
    • Geselligkeit: Gesellschaft/Partys/Kneipe/Skatabend/Sex
    • Ablenkung: Nervosität/Verlegenheit/Unsicherheit/Warten auf Bus
    • Genuss: nach dem Essen/in Pausen/zur Belohnung
    • Automatik: beim Griff zum Telefon/Fahrt zur Arbeit/Kaffee/Bier
    • Anspannung: Ärger/Wut/Unglücklichsein/Langeweile
    • Anregung: zur Beruhigung/Konzentration
    • Schlanke Linie: bei Hunger/zur Verdauung

Die Verknüpfung Alltagsereignis – Rauchen ist jedoch nichts anderes als ein „Pawlowscher“ Reflex. Der Kaffee schmeckt natürlich auch ohne Zigarette. Der Sex macht auch ohne Qualm Spaß. Der Bus kommt zur gleichen Zeit, ob Sie rauchen oder nicht.

Es sind Rituale, antrainierte Automatismen. Das wird besonders deutlich, wenn Sie sich vor Augen halten, dass die Zigarette sowohl bei Langeweile wie bei Stress „hilft“, gleichzeitig anregt und beruhigt.

Dank tausendfacher Wiederholung graben sich die Verknüpfungen, hier Ereignis – da Rauchen, tief in das Raucherhirn.

Die körperliche Abhängigkeit (Nikotin und Giftstoffe im Tabakrauch) einerseits und die psychologische Abhängigkeit (Rituale, Automatismus) anderseits machen Rauchentwöhnungen so kompliziert.

Die körperliche Tabakabhängigkeit ist noch relativ leicht zu bewältigen, weil sie nur so lange andauert, bis das Nikotin vollständig abgebaut ist (ca. zwei Wochen).

Die psychologische Abhängigkeit zu überwinden ist dagegen deutlich schwieriger und dauert auch erheblich länger (ein halbes Jahr und länger).